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Gnade

Das griechische Wort charis bedeutet: freundliche Zuneigung, Huld, Lieblichkeit. Es fand im deutschen Wort „Gnade” eine schöne Entsprechung; das althochdeutsche ginada, neuhochdeutsch genade, bedeutet: Näherung, Neigung, freundliches Niederbeugen. Die schönste Erfüllung fand das natürliche Gefäß dieses Wortes durch den Inhalt, den ihm die neutestamentliche Botschaft schenkte: Gnade ist die freundliche Zuneigung Gottes zur Welt.

Durch die Sünde war eine Kluft aufgerissen worden zwischen Schöpfer und Geschöpf, zwischen der Schöpfung und Gott als der (Duelle ihres Lebens. Nur Gott selbst, keine menschliche Anstrengung, konnte diese Kluft überbrücken. In Christus neigte sich Gott hernieder zu der abgefallenen, undankbaren Welt, um sie zurückzuholen aus ihrer Verlorenheit. Er vereinigte sich in der Geburt Christi mit der Menschheit und blieb ihr nahe durch das ganze Erdenleben Christi hindurch. Aber auch durch die Auferstehung und Himmelfahrt rückt Christus nicht in die Ferne, sondern ist nun umsomehr bei uns bis an der Welt Ende. Aus Seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade.

In den Gnadenmitteln der Kirche hat die Christenheit ständigen Zugang zu der unverdienten Gnade Gottes. Das Wort der Verkündigung, die Sakramente und alle heiligen Handlungen, das Gebet, der Segen und die Absolution sind erfüllt von seiner Nähe und geben dem Gläubigen die Möglichkeit, immer wieder die huldvolle Zuneigung Gottes zu erfahren und das eigene Leben aus der Kraft der göttlichen Gnade zu erneuern.

Das Gottesjahr 1941, S. 48
© Johannes Stauda-Verlag Kassel

© Joachim Januschek
Letzte Änderung: 12-12-06
 

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